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ausbildung:ssd:ssds_schwefelwasserstoff

Kurzbeschreibung Schwefelwasserstoff - H2S

Vorkommen

H2S tritt bei der Produktion und Aufbereitung von sauren Erdgasen und bei der thermischen Gewinnung
von Erdöl im Erdgas auf. gelegentlich entsteht H2S bei der Erdölförderung durch bakterielle Tätigkeit.
auch bei der Entfernung von Eisensulfid aus Fördereinrichtungen mittels Säuren kann sich H2S bilden.

Eigenschaften

H2S ist eines der giftigsten bekannten Gase. Es macht sich bereits in geringster Konzentration
durch Geruch nach faulen Eiern bemerkbar.
Die Geruchsschwelle liegt unter 1 ppm, das ist weniger als 1 Millimeter H2S je
Kubikmeter Luft.

Wenn man über längere Zeit Luft mit niedrigen H2S Konzentrationen einatmet, kann das zu einer Gewöhnung
und dadurch zu einem Nachlassen der Geruchswahrnehmungen führen.

Höhere Konzentrationen lähmen sofort die Geruchsnerven. H2S ist dann nicht mehr wahrnehmbar.

H2S ist farblos, brennbar und schwerer als Luft. Dadurch kann es sich längere Zeit in Bodenvertiefungen,
Gruben und Behältern halten.

Bei Mischung von H2S mit Luft besteht Explosionsgefahr.

H2S ist in Flüssigkeiten wie Wasser, Bohrspülung und Prozessflüssigkeiten löslich. Die Löslichkeit steigt
mit höherem Druck. Beim Entspannen H2S-haltiger Flüssigkeiten auf atmosphärischen Druck
entweicht ein Teil des gelösten Gases.

H2S ist extrem korrosiv gegenüber bestimmten Metallen und Legierungen.

Nachweis

Die Konzentrationsbestimmung von H2S kann mit Hilfe von Prüfröhrchen und Messgeräten
erfolgen.

Maximale Arbeitsplatzkonzentration

Für H2S ist der MAK-Wert - die maximale Arbeitsplatzkonzentration, auf 10ppm, das sind 10 ml H2S/m3 Luft, festgelegt.

ppm bedeutet „parts per million“, d.h. Anteile pro 1 Million Anteile des Bezugsstoffes

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand beeinträchtigen H2S-Konzentrationen bis 10 ppm auch bei längerem Einatmen
die menschliche Gesundheit im allgemeinen nicht. Diese Konzentration darf aber auch kurzfristig
nicht überschritten werden.

Gesundheitsgefährdung

Vergiftungen durch H2S erfolgen durch Einatmen. Die Schwere der Vergiftung ist abhängig von der
H2S-Konzentration in der Atemluft sowie der Einwirkzeit.

Einwirkungen von H2S führen zu folgenden Erscheinungen

  • bis 10 ppm, keine Zeichen von Vergiftung oder Gesundheitsgefährdung
  • bis 150 ppm, Reizung der Augen und der Atemwege
  • bis 300 ppm, Schwere Reizung der Schleimhäute, Übelkeit, Erbrechen, Geruchslähmung
  • bis 700 ppm, Bewußtlosigkeit mit motorischer Unruhe, nach über 30 Minuten Tod
  • über 700 ppm, ohne Vorwarnung schlagartige Bewußtlosigkeit mit motorischer Unruhe, Atemstillstand und Tod

Schutzmaßnahmen

Im Bereich von Anlagen zur Förderung, aufbereitung und / oder Entschwefelung von Erdgas oder Erdöl,
in denen Gase mit H2S-Gehalten über dem MAK Wert vorhanden sind, sind gewerbliche Selbstretter / Fluchtgeräte mitzuführen.

Die Selbstretter / Fluchtgeräte sind bei Gasalarm unverzüglich anzulegen. Danach ist der gefährdete Bereich
sofort zu verlassen. Die Fluchtrichtung ist quer zur Windrichtung zu wählen. Selbstretter / Fluchtgeräte
dürfen nicht als Arbeitsgeräte benutzt werden.

Im Fluchtfall dürfen mit ihnen nur die notwendigsten Handlungen zur Abwendung weiterer Gefahren
( z.B. mitnahme von Personen oder Betätigung von Absperreinrichtungen ) vorgenommen werden.

Für Rettungsarbeiten dürfen nur Atemschutzgeräte verwendet werden, die für diesen Einsatz zugelassen sind.

Rettungsarbeiten bei Vorhandensein von H2S in der Atemluft dürfen nur unter Einsatz von Umluftunabhängigen
Atemschutzgeräte durchgeführt werden. Die Geräteträger müssen einschlägig ausgebildet sein und zum Einsatzzeitpunkt
den gesundheitlichen Anforderungen genügen.

Vor Aufnahme von Arbeiten, bei denen Personen durch H2S gefährdet werden können
( z.B. beim öffnen von Leitungssystemen oder gasführenden Aggregaten, Begehung von Behältern )
muss eine schriftliche Arbeitserlaubnis vorliegen. In ihr sind die erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen festzulegen.
Bei den Arbeiten muss eine Aufsichtsperson ständig anwesend sein.

In H2S-gefährdeten Bereichen ist das Tragen von Bärten und Bartkoteletten untersagt.
( Ausnahme: gestutzte Oberlippenbärte, die an den Mundwinkeln enden ).

Begründung: Bei Bartträgern ist im Fall einer H2S-Vergiftung eine sichere Fremdbeatmung mit
Beatmungsgerät nicht gewährleistet.

Personen mit Perforation des Trommelfells dürfen ebenfalls nicht in H2S-gefährdeten Bereichen arbeiten.

Begründung: Durch das perforierte Trommelfell kann H2S in die Atemwege gelangen, auch beim Tragen
eines Überdruck Atemschutzgerätes.

Erste Hilfe

Verunglückte sind unverzüglich in einen H2S-freien Bereich zu bringen.

Bei Atemstillstand, auch bereits bei schwacher Eigenatmung soll möglichst sofort, eventuell noch im
gefährdeten Bereich, mit einem Beatmungsgerät 100% Sauerstoff beatmet werden.

Der Arzt ist sofort zu benachrichtigen.

Steht ein Beatmungsgerät nicht zur Verfügung, so ist bei Atemstillstand außerhalb des Gefahrenbereichs
die Mund-zu-Mund- oder die Mund-zu-Nase-Beatmung anzuwenden.
Das Einatmen der Ausatemluft des Verunglückten ist zu vermeiden, da Vergiftungsgefahr besteht.
Bei Herzstillstand muss bis zum eintreffen des Arztes zusätzlich eine Hermassage vorgenommen werden.

Bei Reizung der Augenschleimhäute ( Augenbrennen ) sind die geöffneten Augen mindestens 10 Minuten
unter fließendem Wasser oder mit der Augenspülflasche zu spülen.
Die augen sollten danach längere Zeit vor grellem Licht geschützt bleiben.

Auch in Verletzungsfällen, bei denen typische Vergiftungserscheinungen nicht erkennbar sind, aber
eine Einwirkung von H2S nicht ausgeschlossen ist, muss sich der Betroffene unter Hinweis auf mögliche
H2S-Einwirkung immer sofort in ärztliche Behandlung begeben.

Zusätzliche Erste Hilfe Maßnahmen

  • Beengte Kleidungsstücke öffnen
  • Der Verletzte ist grundsätzlich in stabiler Seitenlage zu transportieren ( Ausnahme bei Beatmung )
  • Während des Transports muss der verletzte ständig durch einen Sanitäter oder Ersthelfer betreut werden.

Verabreichung von Medikamenten

  • Sofortige inhalative Glucocoriticoid-Behandlung zur Verminderung der Atemschwierigkeiten infolge
    eines sich bildenden Lungenödems.
  • Intravenöse Infusion nur durch den Arzt
  • Injektion von 4-DMAP intravenös nur durch den Arzt

Brandschutz

Es gilt der Grundsatz: BRENNENDES GAS = KONTROLLIERTES GAS

Es ist abzuwägen, ob ein H2S-Gasbrand sofort gelöscht werden muss oder ob man es besser weiterbrennen
läßt, bis die Quelle erschöpft oder sicher abgesperrt ist.

Im Allgemeinen ist vor einem voreiligen Ablöschen H2S-haltigen Gases zu warnen.
( Vermeidung größerer, toxischer Gefahren ).

Die Brandbekämpfung sollte sich zunächst auf den Schutz des Nahbereichs vor der direkten flammeneinwirkung sowie
großräumig auf den Schutz von Personen vor Brandgasen konzentrieren.

Beim Verbrennen von Schwefelwasserstoff ( H2S ) entsteht Schwefeldioxid ( SO2 ).
( SO2 schmeckt man auf der Zunge, es verätzt durch Säurebildung die Lunge ).

Als Löschmittel sind geeignet:

  • BC - Löschpulver, Wasser, Löschgase

Niederschlagen von giftigen Rauchgasschwaden:

  • Sprühstrahlen aus B-Rohren anwenden, nach Möglichkeit mehrere Strahlrohre gleichzeitig einsetzen.

Abschlagen von Flammen mit Wasser:

  • Mehrere harte Vollstrahlen aus B- oder C-Strahlrohren auf die Gasaustrittsstelle konzentrieren.

Kenndaten

Bezeichnung

  • Schwefelwasserstoff

Chemische Formel

  • H2S

Relative Gasdichte

  • 1,18 ( Luft = 1 )

Zündtemperatur

  • 270 C

Explosionsgrenzen in Luft bei 20 C

  • untere 4,3 Vol.-% (= 60g/m3)
  • obere 45,5 vol.-% (= 650g/m3)

MAK Wert

  • 10 ml/m3 (= 15mg/m3 ) = auch 10 ppm

Geruchsschwelle

  • weniger als 1 ml/m3 = auch 1 ppm

Weitere Hinweise

Einstufung nach Gefährliche Stoffe Verzeichnis

F+, R12, T+, R26

Gefahrensympole

gefahrensympole_hochentzuendlich_und_sehr_giftig.doc (37 KiB, 1y ago, 449 downloads)

R-Sätze

  • R12 - Hochentzündlich
  • R26 - Sehr giftig beim Einatmen

S-Sätze

  • S 1/2 - Unter Verschluß und für Kinder unzugänglich aufbewahren
    ( Dieser Satz kann nurr dann bei der Kennzeichnung weggelassen werden, wenn der Stoff oder die
    Zubereitung ausschließlich für industrielle Zwecke verkauft wird. )
  • S 7/9 - Behälter dicht geschlossen an einem gut belüfteten Ort aufbewahren
  • S16 - Von Zündquellen fernhalten, Nicht Rauchen
  • S45 - Bei Unwohlsein sofort arzt hinzuziehen ( wenn möglich Etikett vorzeigen )

Beatmungsgeräte

  • z.B. Oxylog

Selbstretter und Fluchtgeräte

  • z.B. Parat II und Oxy K

Atemschutzgerät zur Arbeit und Rettung

  • Preßluftatmer, Schlauchgeräte und Kreislaufgeräte

Nachweis von H2S

  • Prüfröhrchen
  • Messgeräte in denen H2S Sensoren eingebaut sind ( z.B. Solaris )

Augenspüllösung

  • z.B. Tima_Oculav oder Isogutt ( Apothekenpflichtig )

Medikament

  • z.B. Auxiloson und Pulmicortosol ( Apothekenpflichtig )
  • Gegenmittel ( Antidot ) 4-DMAP

Besonders tückische Gefahrenquellen

Unter Druck eingeschlossenes Sauergas

Absperr-Armaturen aus Sauergassystemen können im ausgebauten Zustand in der Werkstatt noch zur Gefahr werden,
wenn in Hohlräumen unter Druck eingeschlossenes volumen freigesetzt wird.
( z.B. bei in „ZU“-Stellung ausgebauten Kugelhähnen oder Spatenschiebern. )

Hydrate in Rohrleitungssystemen

Beim Druckentlasten von Rohrsystemen können sich unter bestimmten Bedingungen Hydratstopfen
( in Eiskristalle eingelagertes Methan )
bilden, Leitungsabschnitte unbemerkt verschließen und das noch unter Druck stehende Volumen zu einem
späteren Zeitpunkt unerwartet schlagartig freisetzen.

Adsorbiertes Sauergas

Vorsicht beim Umgang mit Flüssigkeiten aller Art aus druckentlasteten Sauergassystemen!!
Flüssigkeiten geben nicht alles gelöstes Gas sofort frei.

Der Entösungsprozess wird aktiviert, wenn die Flüssigkeit bewegt wird.

Beispiele:

  • Beim Aufröhren von Bodensatz in Prozeß behältern
  • Beim Brechen von Kleinrohrleitungsverbindungen mit Schmiermittelsystem von Sauergasverdichtern.
  • Beim Transport von Flüssigkeiten in geschlossenen Behältern ( Deshalb vorsicht an Domdeckeln von Straßen-TKW!! )

Sauergasfreisetzung aus Porenräumen

Vorsicht beim Umgang mit frischen Bohrenkernen aus dem H2S-Trägerbereich und mit Textil- oder Keramik-Filterkerzen
aus H2S-Prozesssystemen. Nicht im geschlossenen Fahrzeug transportieren!

Diffusion

H2S diffundiert durch verschiedene Kunststoffe, z.B auch durch Silikon ( Betrifft Masken, Membrane, Dichtungen etc. )
Zum einsatz kommende Materialien sind daher auf Ihre eigenschaften gegenüber H2S zu prüfen.

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